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Heimtextil

Heimtextil - Weltmarktplatz der textilen Einrichtungsbranche

Die Heimtextil ist die größte textile Einrichtungsmesse der Welt. Jeden zweiten Mittwoch eines neuen Jahres öffnet die Heimtextil für vier Tage ihre Tore (2010: Mittwoch 13. bis Samstag 16. Januar). Der Termin ist gesetzt, und die textile Einrichtungswelt ist in Frankfurt oder schaut nach Frankfurt.  Rund 2600 Aussteller konnten 2009 knapp 70.000 Fachbesuche empfangen. Keine andere textile Fachmesse in der Welt erreicht diese Dimensionen. Die Heimtextil ist der Weltmarktplatz der textilen Einrichtungsbranche.


Asian Feeling - Messe Frankfurt Exhibition GmbH Thomas Fedra

Die Heimtextil entstand 1971 als Internationale Messe für Heimtextilien, Bodenbelag und Haustextilien aus der Internationalen Frankfurter Konsumgütermesse heraus, weil die Branche eine eigenständige Plattform suchte, die großzügigere und bessere Präsentationsmöglichkeiten und einen passenderen Termin bieten sollte. Der Termin ist mittlerweile so etabliert, dass er alle Diskussionen übersteht und die Ausstellungsfläche der Branche erhöhte sich von 37.000 qm als Teil der Internationalen Frankfurter Messe 1970 auf über 230.000 qm (2009). Dabei wurde 1989 noch der größte Teil der Bodenbelagsaussteller an die Domotex abgegeben, weil die Heimtextil flächenmäßig an die Grenzen des Frankfurter Messegeländes herankam.

Kurzprofil der Heimtextil als pdf mit Besucher- und Ausstellerzahlen ab 2007 

Die Schwierigkeit, den Weltmarkt zu ordnen
Fachmessen sollten in ihrer Struktur möglichst die Absatzwege widerspiegeln, weil die Besucher sonst zuviel hin und herlaufen müssen. Es muss aber auch auf die Nachbarschaften der Aussteller Rücksicht genommen werden, weil sich sonst Konflikte ergeben können. Nicht zuletzt, weil das Prinzip der „Vertikalität“ der Heimtextil bedeutet, dass zahlreiche Aussteller Lieferanten anderer Aussteller sind. Lieferanten und Kunden mögen in der Regel nicht gern nebeneinander stehen.
Das Heimtextil-Team steht - so gesehen - seit Jahren vor der schwierigen Problematik, den Weltmarkt  vier Tage lang auf der Absatzseite und teilweise auf der Beschaffungsseite der Aussteller strukturieren zu müssen.

Ordnungskriterien der Heimtextil
Dabei sind Aussteller wie Besucher anspruchsvoller geworden. Reichte anfänglich eine Produktgruppendifferenzierung, so wird die Heimtextil heute nach drei Kriterien strukturiert:
(1) Produktgruppen: Heim- und Haustextilien und ihre Untergruppen sowie Services (Design, Heimtextiltechnik)
(2) Genres: Premiumbereich, Qualitätsanbieter, Gemeinschaftspräsentationen
(3) Herkunft: nicht asiatische Anbieter, asiatische Anbieter


Deko- und Polsterstoffe
Messe Frankfurt Exhibition GmbH - Jean-Luc Valentin

Der größte Fortschritt der letzten Jahre ist dabei der für europäische und asiatische Anbieter eingeführte Premiumbereich bei Haus- und Heimtextilien. Dies reflektiert die Entwicklung im Einzelhandel, der eher  „Einrichtungsbilder“ in einem Genre anbietet und weniger eine Produktgruppe wie z.B. Bettwäsche über alle Preis- und Qualitätsstufen. Auch im Objektgeschäft geht es um die textile Einrichtung von z.B.

Die wichtigsten Vorzüge der Heimtextil
Die Heimtextil ist so groß, dass es immer wieder Diskussionen um sie gibt. Eine Messe dieser Größenordnung kann nicht ohne kritische Diskussion sein, und sie braucht diese auch, um sich weiter zu entwickeln. Wir sehen die großen Vorteile und die größten Leistungen der Heimtextil wie folgt:

(1) Das größte und beste Angebot an Haustextilien weltweit.
Es gibt keine Messe weltweit, die ein breiteres und tieferes Sortiment bei Bett- und Tischwäsche sowie Badtextilien präsentieren kann. Von Markenprodukten, wie Bassetti bis hin zu no name - Anbietern aus verschiedensten Ländern finden Einkäufer hier alles was die Welt bietet. Acht Hallenebenen sind allein den Haustextilien gewidmet.

(2) Die größte und beste Ausstellung deutscher Heim- und Haustextilien.
Wer Heim- und Haustextilien aus deutschem Angebot kaufen will, der kann an der Heimtextil nicht vorbei. Keine andere Messe weltweit präsentiert so viele Produkte von deutschen Anbietern. Bei der zunehmenden Internationalisierung der Beschaffung mag der hier herausgehobene Vorzug nicht jedem einleuchten. Für viele Segmente, z.B. des Objektgeschäfts in Deutschland, ist der Bezug bei einem deutschen Anbieter aber von essentieller Bedeutung. Denn dies ermöglicht den schnellen, verlässlichen und kleinteiligen Einkauf sowie eine enge Abstimmung bzw. Entwicklung der Produkteigenschaften.

(3) Die größte und beste Ausstellung asiatischer Heim- und Haustextilien.
China, Indien, Pakistan und die Türkei sind heute die Zentren der Welt-Versorgung mit Heim- und Haustextilien. Es ist eine traditionelle Stärke der Messe Frankfurt, offene Handelsstrukturen zu akzeptieren und Messen nicht als protektionistische Veranstaltungen zum Schutze der heimischen Industrie zu organisieren. Resultat dieser Haltung ist bei der Heimtextil, daß es keine andere Messe weltweit gibt, die in Menge, Vielfalt und Qualität asiatischer Aussteller mithalten kann. 2009 kamen über 1.000 Aussteller aus China, Indien, Pakistan und der Türkei, die wir in diesem Zusammenhang als asiatisches Land einordnen. Das Heimtextilteam hat sich mit den asiatischen Ausstellern - ohne die Türken, die messepolitisch nicht als asiatisch angesehen werden - die Mühe gemacht, sie nach Genres aufwändig zu bewerten. Dadurch sind die Premiumbereiche der „Asienhallen“ die schönsten asiatischen Präsentationen von Heim- und Haustextilien weltweit.

(4) Die Heimtextil ist die wichtigste Exportplattform für Wohntextilien weltweit
Für die meisten Anbieter, egal ob aus Deutschland, Belgien, Brasilien oder aus Pakistan, ist die Heimtextil die wichtigste oder eine der wichtigsten Exportmessen. Dies liegt an der internationalen Besuchsstruktur. 2009 kamen 63 % der Besuche aus dem Ausland, davon 47 % aus der EU. Die Einkäufer kommen aus so vielen Ländern, dass die Geschäftsanbahnungen weit überwiegend auf Exportgeschäfte hinauslaufen. Mit einer Ausnahme: für viele deutsche Anbieter ist auch das Geschäft mit deutschen Kunden wichtig und sicher häufig stärker als ihr Exportgeschäft auf der Heimtextil. Trotzdem gibt es viele deutsche Aussteller, die für das Exportgeschäft ausstellen, weil ihr Außendienst Deutschland auch ohne Messe im Griff hat.

(5) Die Heimtextil ist die wichtigste Messe, um den  textilen Einrichtungsmarkt Deutschland zu bedienen
Wer den deutschen Markt mit Heim- und Haustextilien beliefern will, der muss auf die Heimtextil. Es sei denn, er hat einen ausgebauten Außendienst in Deutschland, dann hängt es von den genauen Produkt- und Marktgegebenheiten ab, ob auf die Heimtextil verzichtet werden kann. Ansonsten gibt es keine bessere Messe, um für den Absatz in Deutschland Kundenbeziehungen zu pflegen und aufzubauen. 
Und: der deutsche Markt ist wieder interessanter geworden. Es ist nicht nur der größte textile Einrichtungsmarkt in Europa, es ist 2010 auch der stabilste unter den großen der europäischen Union. Dies war nicht immer so und ist ein eher konjunktureller Vorteil, aber für 2010 und vielleicht 2011 gilt dieser Vorzug.


Wandgestaltung - Messe Frankfurt Exhibition GmbH Thomas Fedra

Die wichtigsten Nachteile der Heimtextil
Wo Licht und Struktur ist, da gibt es auch Schatten. Hier die unseres Erachtens bedeutendsten Schwachpunkte:

Das europäische Dekorations- und Möbelstoffangebot gibt es hochwertiger und zugespitzter auf der Proposte oder der MoOD (vormals Decosit). Der Termin der Heimtextil ist für Möbelstoffe bis vor kurzem einfach ungeeignet gewesen. Durch die Teilverlagerung der deutschen Hausmessen für Möbel ins Frühjahr ist dies speziell für Deutschland nun wieder besser. Proposte und MoOD sind als Spezialmessen jedoch gut verankert und decken die in diesem Segment führenden Märkte Italien und Belgien sehr gut ab.

Lifestyle- und designorientierte Einrichtungshäuser finden auf anderen Messen mehr Anregungen für Gesamtbilder des Einrichtens. Obwohl sich die Heimtextil viel Mühe macht mit der Erstellung und Dokumentation von Einrichtungstrends, ist „Trend“  in vielen Hallen einfach kein Ausstellungsthema. Andere Messen benötigen keine Sonderschau, da sind die Hallen selbst „Trend“. Dies gilt bei der Heimtextil für einige der Premiumhallen ebenfalls. Aber das prägt die Messe nicht. Hier wirkt sich aus, dass die Heimtextil produktorientiert definiert ist und alle Genres abbilden will
Andere Einrichtungsmessen wie z.B. die Abitare Il Tempo zeigen Einrichtungsprodukte von Bodenbelag aus Stein über feinste Gardinen bis hin zu Küchengeräten. Die Anbieter werden ausgewählt und der Veranstalter legt Wert darauf, dass sie hohen Ansprüchen an Design und Qualität genügen. Entsprechend sind die „Einrichtungsbilder“ dieser Messe sehr inspirierend und stilsicher. Textile Einkäufer werden hier mit Eindrücken und Anregungen bedient, sie können jedoch nicht in der Breite und Tiefe des textilen Einrichtungsmarktes einkaufen.

Matratzen und Schlafsysteme sind heute nicht mehr breit genug vertreten, um einen Überblick über den Gesamtmarkt zu geben.


Heimtextil schärft das Objektgeschäft
In den letzten Jahren hat der Veranstalter zunehmend das Objektgeschäft auf der Heimtextil sichtbar gemacht. Gleichsam als virtuelles Ordnungskriterium bekommen Aussteller, die auch im Objektgeschäft tätig sind das Signet „contractcreations“ als Teppichfliese vor den Eingang gelegt. Es gibt auch einen gesonderten „Contract Guide“ als Katalog im Taschenbuchformat.


contract & creations emblem
Messe Frankfurt Exhibition GmbH Thomas Fedra

Grob gesagt lässt sich das textile Objektgeschäft zweiteilen:
(1)Textilien, die von Architekten und Innenarchitekten spezifiziert werden, das sind Bodenbeläge, Polsterstoffe und Dekorationsstoffe für Vorhänge
(2) Textilien, die von Hausdamen, Pflegedienstleitern etc. spezifiziert werden. Das sind Bettwäsche, Handtücher, Bettwaren, Matratzen, Inkontinenzunterlagen etc.

Schon seit einigen Jahren spricht die Heimtextil gezielt Architekten und Innenarchitekten an. Unter anderem wird zusammen mit der Fachzeitschrift AIT der Innovationspreis Architektur Textil Objekt ausgelobt und die eingereichten Produkte werden in einer Sonderausstellung gezeigt (Foyer Halle 4.1).

Inzwischen ist aber auch ein Format entwickelt worden, um das Objektgeschäft für Haustextilien besser herauszuheben: die Vortragsreihe „Let`s talk about it: Contract Business“. Hier gibt es Vorträge rund um das Objektgeschäft mit Haustextilien. Damit hat die Heimtextil begonnen, ihr stärkstes Feld auch für das Objektgeschäft sichtbarer zu machen. Die Zuspitzung auf die Zielgruppe der Spezifikateure von Haustextilien im Objektgeschäft ist noch nicht so sichtbar wie bei den Heimtextilien, aber der Weg dahin wird deutlich.


Ed Hardy - Messe Frankfurt Exhibition
GmbH Petra Welzl

Rahmenprogramm für Trends und Kommunikation
Die Heimtextil weist ein umfangreiches und hoch interessantes Rahmenprogramm auf, welches ihrer Stellung als Weltleitmesse entspricht. Besondere Erwähnung muss dabei die jährliche Trendpräsentation finden, die in dieser Größe und Umfänglichkeit  unvergleichlich ist. 2010 wird zum 20.ten Mal der Heimtextil Trend präsentiert. Die Trends werden von einer Arbeitsgruppe („Trendtable“) angesehener Designer zusammengestellt und jedes Jahr von einem anderen Mitglied des Trendtable in einem Trendbuch und Trendinstallationen umgesetzt. Diese Trends finden weltweit Beachtung bei den textilen Produktentwicklern und Einkäufern. 2010 wird die Trendpräsentation von Carlin International realisiert.

Viele Veranstaltungen werden auch von Ausstellern oder in Zusammenarbeit mit Ausstellern angeboten. Traditionsreich ist hier das Programm des Decoteams, einer Kooperation von gemeinschaftlich präsentierenden Ausstellern, die sich jedes Jahr viel Mühe geben, um ihrerseits Trends in fertigen Produkten zu präsentieren. Darüber hinaus wird vom Decoteam ein umfangreiches Programm realisiert mit Vorträgen und Zusammenkünften. Dies geschieht 2010 unter anderem zusammen mit der Decor Union und der 2HK (Händler & Handwerker Kooperation).

Andere Veranstaltungen des Rahmenprogramms sind z.B. die Auslobung des „Bettenfachhändlers des Jahres“ bei der die Fachzeitschrift Haustex federführend ist, oder der Young Contract Creations Award Upholstery 2010, der zusammen mit Trevira CS und der Zeitschrift Polsterfashion verliehen wird.

Besuchertipps
- Der Online-Kauf der Eintrittskarte lohnt sich, weil (1) der Vorverkaufspreis deutlich günstiger ist als der Kauf an der Tageskasse, und (2) weil die Eintrittskarte dazu berechtigt, die öffentlichen Verkehrsmittel des RMV zu nutzen – und zwar schon bei der ersten Fahrt zur Heimtextil.
- Das neue Besucherprogramm „Heimtextil Insider“, speziell für die Raumausstatter, beinhaltet unter anderem den kostenlosen Messeintritt und den kostenfreien Zugang zum Insider Treff mit freier Bewirtung. Wer längere Zeit auf der Heimtextil verbringt, wird dieses Angebot sehr zu schätzen wissen. Der internationale Verband der Messeorganisatoren UFI hat das Insider – Programm als „Best Marketing Activity of the Year“ 2009 ausgezeichnet!

Quelle: Living XL Special Edition 1/2010

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